Geschichte des Löschzuges Nienborg

Am 1. Juni 1882 wurden die Statuten unterzeichnet und die Feuerwehr Nienborg war geboren. Amtmann Wünneberg berichtet der Provinzial, dass die Wehr in jeder Beziehung den Anforderungen entspricht. Die nötigen Löschgerätschaften waren vorhanden, in jeder Gemeinde zwei Spritzen. In den Folgejahren steigt die Mitgliederzahl auf beachtliche 40-45 bei 800 Einwohnern. Die Feuerwehr besitzt zu Übungszwecken einen Steigerturm. Am 8. März 1885 tritt auch die vom Amtmann von Niebelschütz unterzeichnete Straßen-Polizei-Ordnung in Kraft, deren § 27 dem Feuerschutz dient. Dabei wird deutlich, dass das Rauchen in der Öffentlichkeit schon damals viel diskutiert wurde. Laut der neuen Verordnung war das Tabakrauchen nur aus gedeckelten Pfeifen erlaubt, in der Nähe feuergefährlicher Orte ganz verboten. Im Herbst 1886 verfügt die Nienborger Wehr über eine Spritze BA 12, eine alte Spritze mit 13 cmb und eine alte Spritze mit 10,5 cmb. Neben einer freiwilligen Feuerwehr mit 48 Mann besteht eine eingeteilte Pflichtfeuerwehr, die aufgrund der Bestimmungen der Feuerpolizeiverordnung aus dem Jahre 1841 vorgenommen wurde. Erstere bediente die neue Spritze, letztere die beiden alten Spritzen. Geleitet wurde die Wehr vom Klempner Johann Kötte, Urgroßvater des heutigen Gemeindebrandinspektors Willi Kötte. Die persönliche Ausstattung ihrer Mitglieder musste die Freiwillige Feuerwehr selbst bezahlen, sodass die Kasse 1887 einen Schuldenstand von 80 Mark aufwies. Zum Nachfolger des ersten Wehrführers Johann Kötte wählt man 1899 seinen Sohn Josef Kötte, der dieses Amt bis 1950 innehat. Beim ausgedehnten Fest des Kriegervereins anlässlich des Kaisergeburtstages im Jahre 1906 flammte die Decke des Festsaals der Gaststätte Hoffkamp auf und in kurzer Zeit brannte das gesamte Gebäude nieder, nur der kolossale Burgturm blieb übrig. Im Jahre 1909 wird die Feuerwehr neu organisiert, deren Arbeit durch den Ersten Weltkrieg tiefgreifende Auswirkungen erfährt. Infolge der militärischen Einberufungen wird sowohl die Freiwillige als auch die Pflichtfeuerwehr aufgelöst bzw. fällt in sich zusammen. 10 Kameraden lassen in diesem Krieg ihr Leben. Im Jahre 1920 kommt es zum Neubeginn mit 37 Wehrmännern, Spritzenmeister wird Josef Kötte. Immer wieder muss die Nienborger Wehr zu bedeutenden Hilfeleistungen ausrücken. So war die erste Juliwoche 1926 eine Schreckenswoche. Zweimal ertönte die Brandglocke. Am 1. Juli wurden mehrere Häuser in der Hauptstraße, unter anderem des Wirtes Wissing, der Gebrüder Bömer und des Briefträgers Schulz in einen Trümmerhaufen verwandelt. Fünf Tage später wurden die Bewohner morgens früh durch Feuerlärm aus dem Schlafe geweckt. Die Wohnhäuser der Fabrikarbeiter Brunsmann und Hartmann auf der Burg standen in Flammen. Durch diese beiden Brände wurden insgesamt sieben Familien obdachlos. Die Geselligkeit wurde bei den Wehrleuten auch schon in früheren Jahren gepflegt. So fand 1929 das Kreisfeuerwehrverbandsfest in Nienborg statt. Ein Jahr danach wird zur Unterbringung der Magirusleiter das im Jahre 1861 auf dem „Holtplaß“ errichtete Spritzenhaus erweitert. Neben einem Spritzenlokal befanden sich in dem Gebäude auch zwei Gefängnisse. Infolge mehrerer Brandstiftungen sieht der Oberstaatsanwalt im Jahre 1932 die Veranlassung, eine Belohnung von 500 Reichsmark für diejenigen aus, welche den oder die Brandstifter so zur Anzeige bringen. Anfang April 1934 wird der Verein Freiwillige Feuerwehr Nienborg-Heek e.V. mit je zwei Halblöschzügen für Heek und Nienborg gegründet. Hauptbrandmeister und Führer der gesamten Wehr wird der Kaufmann Rohling, während Klempnermeister Josef Kötte als Oberbrandmeister die zwei Halblöschzüge in Nienborg führt. Im August desselben Jahres wird das 50-jährige Bestehen der Nienborger Feuerwehr gefeiert. Auch der Zweite Weltkrieg hat entscheidende Auswirkungen auf das Nienborger Feuerwehrwesen. Brandmeister Josef Kötte hat in den Kriegsjahren 1939/45 mit wenig ausgebildeten Kräften den Feuerschutz in der Gemeinde Nienborg ununterbrochen aufrechterhalten. Dabei kam es zu mehreren Großbränden. Beim Brand auf dem Gehöft Laumann im März 1941 konnten die für das Ziehen der Motorspritze benötigten Pferde nicht schnell genug bereitgestellt werden, sodass die Spritze zu dem fast zwei Kilometer entfernten Brandherd von Hand gezogen wurde. Ende Mai 1943 wird ein feindliches viermotoriges Flugzeug abgeschossen, das in der Bauerschaft Wext in der Nähe des Bauern Hüsing in verschiedene Teile abstürzt. Die Absturzstelle wird von der Nienborger Feuerwehr abgesperrt und danach der Wehrmacht übergeben. Während des Krieges wurde im Jahre 1944 junge Nienborgerinnen zum Notdienst herangezogen und zur Dienstleistung der freiwilligen Feuerwehr zugewiesen.